C2 · Test 1

Die Illusion der Objektivität

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1. Lesen

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Wer für sich in Anspruch nimmt, objektiv zu urteilen, hat den entscheidenden Schritt meist schon hinter sich – nämlich die Auswahl dessen, worüber überhaupt geurteilt wird.

Diese Vorauswahl vollzieht sich unauffällig und wird selten als Wertung wahrgenommen. Sie bestimmt gleichwohl das Ergebnis stärker als jede spätere Abwägung, denn was nicht auf dem Tisch liegt, kann auch nicht gegeneinander abgewogen werden.

Die naheliegende Folgerung wäre der Verzicht auf den Anspruch. Sie greift indes zu kurz: Wer Objektivität für unmöglich erklärt, hat kein Argument mehr gegen den, der offen willkürlich verfährt.

Sinnvoller erscheint ein bescheideneres Verständnis. Objektiv wäre demnach nicht, wer keinen Standpunkt hat, sondern wer den eigenen benennt und ihn der Prüfung durch andere aussetzt.

Das ist erheblich weniger, als der Begriff verspricht. Es ist aber mehr, als der Zweifel übrig lässt – und im Unterschied zu beidem tatsächlich einlösbar.

2. Fragen

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