Kritik annehmen
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Vollen Zugang ansehenKritik anzunehmen fällt den meisten Menschen schwer, und mir ging es lange nicht anders. Früher habe ich sofort erklärt, warum etwas so und nicht anders gelaufen ist. Ich habe zugehört, aber eigentlich nur darauf gewartet, endlich antworten zu dürfen.
Verändert hat sich das durch eine einzige Bemerkung meiner damaligen Vorgesetzten. Sie sagte, dass eine Erklärung selten falsch sei, aber fast immer zu früh komme. Wer sich sofort rechtfertigt, signalisiert dem anderen, dass er den Einwand nicht ernst nimmt. Dieser Satz hat mich mehrere Wochen beschäftigt.
Heute versuche ich, zuerst nur eine Rückfrage zu stellen und die Antwort einen Tag liegen zu lassen. Erstaunlich oft merke ich am nächsten Morgen, dass an dem Einwand mehr dran war, als ich zugeben wollte. Und in den Fällen, in denen ich anderer Meinung bleibe, fällt das Gespräch trotzdem ruhiger aus.
Schwieriger bleibt der umgekehrte Fall: selbst Kritik zu äußern, ohne den anderen zu verletzen. Hier hilft mir die Regel, möglichst konkret zu bleiben und über eine Handlung zu sprechen statt über eine Person. „Der Bericht war zwei Tage zu spät“ ist etwas anderes als „Du bist unzuverlässig“, obwohl beide Sätze denselben Anlass haben. Der erste lässt sich beantworten, der zweite nur bestreiten. Ganz gelingt mir das nicht, aber die Gespräche sind seltener eskaliert, seit ich darauf achte.
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