Zwischen Beruf und Familie

B2 195 Wörter

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Über Jahre habe ich geglaubt, dass sich Beruf und Familie mit genug Planung sauber trennen lassen. Ich hatte Kalender, Listen und feste Zeiten, und trotzdem ist es regelmäßig schiefgegangen. Irgendetwas ist immer dazwischengekommen, meistens etwas, das keinen Aufschub duldete.

Was schließlich geholfen hat, war nicht mehr Planung, sondern weniger. Statt jeden Abend zu verplanen, habe ich zwei Abende in der Woche völlig frei gelassen. An diesen Abenden wird nichts nachgearbeitet, auch dann nicht, wenn noch etwas offen ist. Anfangs hat mich das mehr gestört als die Arbeit selbst.

Inzwischen halte ich diese zwei Abende für den wichtigsten Termin der Woche. Meine Kinder wissen, dass ich dann wirklich da bin und nicht nur körperlich anwesend. Beruflich ist dadurch nichts zusammengebrochen, was mir im Rückblick am meisten zu denken gibt.

Natürlich funktioniert das nicht in jedem Beruf gleich gut. Wer in Schichten arbeitet oder auf Abruf verfügbar sein muss, hat diese Freiheit nicht, und es wäre unehrlich, darüber hinwegzugehen. Bei mir war es eine Frage der Gewohnheit, nicht der Möglichkeit — das habe ich lange nicht unterscheiden können. Rückblickend habe ich mich jahrelang für unentbehrlicher gehalten, als ich war. Diese Erkenntnis war unangenehm und gleichzeitig eine Erleichterung.

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