Der Wert des Nichtwissens
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In Diskussionen gilt das Eingeständnis, etwas nicht zu wissen, als Schwäche. Bemerkenswerterweise gilt das gerade dort, wo die Materie so komplex ist, dass Sicherheit gar nicht zu haben wäre.
Die Erklärung liegt weniger in der Sache als im Publikum. Zuhörende belohnen Entschiedenheit, und zwar unabhängig davon, ob sie sich später als berechtigt erweist. Wer einschränkt, klingt schwächer – auch dann, wenn er recht hat.
Fachleute reagieren darauf auf zweierlei Weise. Die einen passen sich an und formulieren fester, als es der Kenntnisstand erlaubt. Die anderen ziehen sich zurück und überlassen das Feld denen, die keine Zweifel haben.
Beide Reaktionen verschlechtern die Lage. Die erste beschädigt auf Dauer das Vertrauen, die zweite sorgt dafür, dass es gar nicht erst entsteht.
Ein Ausweg wäre, Unsicherheit nicht zu verschweigen, sondern zu beziffern. Wer sagt, wie sicher er sich ist und woran sich das ändern würde, wirkt zunächst weniger überzeugend – auf lange Sicht jedoch glaubwürdiger.