Erinnerung als Konstruktion
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Erinnerungen fühlen sich an wie Aufnahmen. Tatsächlich werden sie bei jedem Abruf neu zusammengesetzt – und dabei verändert.
Was dabei einfließt, stammt keineswegs nur aus dem ursprünglichen Ereignis. Spätere Erzählungen, Fotografien, sogar beiläufige Bemerkungen anderer wirken zurück auf das, was als eigene Wahrnehmung erlebt wird.
Die Sicherheit, mit der eine Erinnerung auftritt, sagt darüber wenig aus. Untersuchungen zeigen übereinstimmend, dass Überzeugung und Genauigkeit kaum zusammenhängen; besonders lebhafte Erinnerungen an einschneidende Ereignisse erweisen sich sogar auffällig oft als fehlerhaft.
Für den Alltag ist das kaum folgenreich. Anders verhält es sich dort, wo Aussagen über Menschen entscheiden – vor Gericht etwa, wo die Bestimmtheit eines Zeugen lange als Qualitätsmerkmal galt.
Man muss deswegen niemandem Absicht unterstellen. Es genügt, den Zusammenhang zu kennen, den unser Rechtsgefühl hartnäckig für umgekehrt hält.