Lernen von null · C1 · Kapitel 10 · Lektion 1 von 4

Der Jänner, das Sackerl, die Marille

January, the bag, the apricot — the Austrian words — Deutsch, wie es in Österreich gesprochen wird

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Dialog

MarekIm Rezept steht Topfen. Ich finde im Regal nur Quark.

Frau GruberDas ist dasselbe. In Österreich sagt man Topfen.

MarekUnd Erdäpfel sind Kartoffeln?

Frau GruberGenau. Paradeiser sind Tomaten, Marillen sind Aprikosen.

MarekDas steht in keinem Lehrbuch.

Frau GruberWeil Lehrbücher meist aus Deutschland kommen. Falsch ist keines von beiden.

MarekAlso zwei richtige Wörter für eine Sache.

Frau GruberSo ist es. Brauchen Sie ein Sackerl?

MarekEin was?

Frau GruberEine Tüte. Sackerl, mit -erl am Ende. Das ist hier die Verkleinerungsform.

MarekUnd der Monat auf dem Formular: Jänner?

Frau GruberJänner heißt Januar. Bei uns steht das so im Kalender.

MarekUnd wenn ich nach Deutschland fahre?

Frau GruberDann verstehen Sie beides. Das ist der ganze Vorteil.

MarekIch lerne also ein zweites Deutsch.

Frau GruberKein zweites. Dasselbe Deutsch, nur mit anderen Wörtern für Alltagsdinge.

Wörter

  1. der Jänner — January (Austria) (no plural)

    Der Kurs beginnt Anfang Jänner.

  2. der Feber — February (Austrian official form) (no plural)

    Auf dem Formular steht 12. Feber.

  3. die Marille, die Marillen — the apricot

    Aus Marillen macht man Marmelade.

  4. der Paradeiser, die Paradeiser — the tomato

    Zwei Paradeiser, bitte.

  5. der Erdapfel, die Erdäpfel — the potato

    Die Erdäpfel kochen zwanzig Minuten.

  6. die Melanzani, die Melanzani — the aubergine

    Die Melanzani kommt zuletzt in die Pfanne.

  7. das Sackerl, die Sackerln — the (small) bag

    Ein Sackerl kostet zehn Cent.

  8. der Topfen — the quark, the curd cheese (no plural)

    Der Topfen muss ganz frisch sein.

  9. die Semmel, die Semmeln — the bread roll

    Zum Frühstück gibt es zwei Semmeln.

  10. die Palatschinke, die Palatschinken — the pancake

    Die Palatschinken sind mit Marmelade gefüllt.

  11. die Jause, die Jausen — the snack, the light meal

    Um zehn machen wir eine kurze Jause.

  12. das Schlagobers — the whipped cream (no plural)

    Der Kaffee kommt mit Schlagobers.

  13. heuer — this year

    Heuer war der Winter besonders lang.

  14. der Bub, die Buben — the boy

    Der Bub geht seit September in die Schule.

Grammatik

ÖSTERREICHISCHES DEUTSCH IST KEIN DIALEKT

Austrian German is not a dialect

  1. THE MOST IMPORTANT POINT OF THIS CHAPTER: the words in this lesson are not slang and not dialect. They belong to the written standard language in Austria — they stand in newspapers, in shop signs and in official letters. „Jänner“ is not a casual form of „Januar“; in Austria it is the form.
  2. GERMAN HAS THREE FULL NATIONAL VARIETIES — the German of Germany, of Austria and of Switzerland. Where they differ, both forms are correct; each is correct in its own country. Learning material usually comes from Germany, which is why these words surprise learners who live in Austria.
  3. THE EVERYDAY LIST. Almost all differences are in food, shops and the calendar: Jänner — Januar Erdapfel — Kartoffel Marille — Aprikose Paradeiser — Tomate Topfen — Quark Semmel — Brötchen Schlagobers — Schlagsahne Sackerl — Tüte Jause — Zwischenmahlzeit Bub — Junge (Sahne ohne Schlagen heißt in Österreich Obers oder Rahm.) Several of these — Semmel, Bub, Sackerl, Erdapfel — are just as normal in Bavaria and southern Germany. The line is not the state border; lesson 3 comes back to that.
  4. THE ENDING -erl IS THE AUSTRIAN AND BAVARIAN DIMINUTIVE, next to the -chen and -lein you already know. Like them it makes the word neuter, whatever the base word was: der Sack → das Sackerl der Hund → das Hunderl die Tasche → das Tascherl That is the rule. Two exceptions are worth knowing: in Austria you also hear „der Schwammerl“, and pet forms of male first names stay masculine (der Sepperl).
  5. WHAT THIS MEANS FOR YOU: you need these words passively — when you read a menu or a shopping list, you must understand them. Actively you may use whichever form you like. Nobody in Vienna minds „Kartoffel“. In Hamburg „Erdapfel“ is often simply not known, so you may have to explain it. Only do not mix the two inside one text.
Jänner = Januar (überall in Österreich)
Feber = Februar (nur im Amtsgebrauch; sonst auch Februar)
Erdapfel Paradeiser Marille Melanzani
Topfen Semmel Schlagobers Palatschinke
Sackerl Jause Bub heuer
-erl    Verkleinerung wie -chen, fast immer sächlich
Regel   kein Dialekt, sondern Standard in Österreich

Tipp: Read one Austrian supermarket leaflet from beginning to end. Twenty minutes there teach you more of these words than any list — and you meet them exactly where you will need them.

Beispiele

  • Paradeiser sind Tomaten, Marillen sind Aprikosen.
  • Brauchen Sie ein Sackerl?
  • Jänner heißt Januar.

Übungen

  1. Aufgabe 1 — Was ist ein Erdapfel? / What is an Erdapfel?

    (a) eine Tomate      (b) eine Kartoffel      (c) ein Apfel
    Lösung

    (b) eine Kartoffel.

  2. Aufgabe 2 — Welches Geschlecht hat ein Wort auf -erl? / Which gender?

    (a) männlich      (b) weiblich      (c) sächlich
    Lösung

    (c) sächlich. -erl macht das Wort fast immer sächlich, wie -chen. (Ausnahme: der Schwammerl.)

  3. Aufgabe 3 — Was heißt "Schlagobers"? / What does it mean?

    (a) Quark      (b) Schlagsahne      (c) Butter
    Lösung

    (b) Schlagsahne. Ungeschlagene Sahne heißt in Österreich Obers oder Rahm.

  4. Aufgabe 4 — Richtig oder falsch? / True or false?

    „Jänner" ist ein Dialektwort und gehört nicht in einen Brief.
    Lösung

    falsch / false. „Jänner" ist in Österreich die normale Form der Standardsprache und steht auch in Amtstexten.

  5. Aufgabe 5 — Setze ein / Fill in

    Du stehst in Wien an der Kasse und willst eine Tüte.
    "Ich hätte gern ein ______."
    Lösung

    Sackerl. (Ich hätte gern ein Sackerl.)

Mini-Test

  1. Frage 1

    Warum ist österreichisches Deutsch kein Dialekt?
    Lösung

    Weil diese Wörter zur Standardsprache gehören. Sie stehen in Zeitungen, auf Schildern und in Amtstexten.

  2. Frage 2

    Was macht die Endung -erl mit dem Geschlecht eines Wortes?
    Lösung

    Sie macht es fast immer sächlich: der Sack → das Sackerl. Eine bekannte Ausnahme ist „der Schwammerl“.

  3. Frage 3

    Musst du diese Wörter aktiv benutzen?
    Lösung

    Nein. Verstehen genügt. Aktiv darfst du die Form nehmen, die du gewohnt bist — nur nicht beide im selben Text mischen.