Lernen von null · C2 · Kapitel 6 · Lektion 3 von 4

Moin, schnacken, klönen

Moin, to chat, to natter — Die anderen zwei Standardvarianten

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Dialog

JonasIn Hamburg hat mich morgens jemand mit „Moin" begrüßt. Abends auch.

Herr TimmDas ist richtig so. Moin gilt den ganzen Tag.

JonasIch dachte, es kommt von Morgen.

Herr TimmViele denken das. Es heißt einfach: gut. Ein guter Tag, wann auch immer.

JonasUnd „schnacken"?

Herr TimmReden. Klönen ist dasselbe, nur gemütlicher und länger.

JonasIst das noch Deutsch oder schon Plattdeutsch?

Herr TimmGute Frage. Plattdeutsch ist eine eigene Sprache. Moin und schnacken sind Wörter, die von dort ins Hochdeutsche gerutscht sind.

JonasAlso ist der Norden keine vierte Variante?

Herr TimmNein. Standardvarianten gibt es drei: Deutschland, Österreich, Schweiz. Der Norden ist eine Gegend darin.

JonasUnd trotzdem klingt er anders.

Herr TimmAnders klingen und eigener Standard sein ist nicht dasselbe.

Wörter

  1. moin — hello (northern Germany, all day)

    Moin sagt man hier zu jeder Stunde.

  2. schnacken — to talk, to chat (northern Germany)

    Wir haben eine Stunde geschnackt.

  3. klönen — to natter, to chat comfortably (northern Germany)

    Am Sonntag klönt man mit den Nachbarn.

  4. der Klönschnack — the friendly chat (no plural)

    Auf einen Klönschnack kommt jeder vorbei.

  5. die Deern, die Deerns — the girl (northern Germany)

    Die Deern ist gerade sechs geworden.

  6. dröge — dry, dull (northern Germany)

    Der Vortrag war ziemlich dröge.

  7. das Plattdeutsch — Low German (no plural)

    Plattdeutsch ist eine eigene Sprache.

  8. das Niederdeutsche — the official name of Plattdeutsch (no plural)

    Plattdeutsch heißt in der Wissenschaft das Niederdeutsche.

  9. die Waterkant — the coast, the waterfront (no plural)

    An der Waterkant redet man kürzer.

  10. die Sprachmelodie, die Sprachmelodien — the melody of speech

    Die Sprachmelodie ist flacher als im Süden.

  11. die Höflichkeitsformel, die Höflichkeitsformeln — the polite formula

    Moin ist die kürzeste Höflichkeitsformel des Landes.

  12. der Bundesdeutsche, die Bundesdeutschen — the German from Germany

    Auch ein Bundesdeutscher hört den Unterschied.

Grammatik

DER NORDDEUTSCHE RAUM

The north German area

  1. THIS LESSON IS THE COUNTER-EXAMPLE OF THE CHAPTER. Austria and Switzerland are STANDARD VARIETIES — their forms are correct in official texts. Northern Germany is not a fourth one. It is a region inside the German standard, and its words are regional, not standard.
  2. THE DIFFERENCE MATTERS IN PRACTICE: Standardvariante Jänner (AT), Trottoir (CH)
  3. THE WORDS WORTH KNOWING ARE FEW, and you will meet all of them in one week in Hamburg or Bremen: moin Gruß zu jeder Tageszeit — NICHT nur morgens
  4. BEHIND THEM STANDS A SEPARATE LANGUAGE. Plattdeutsch is not broken German and not a dialect of it — it is its own language, recognised as such, with its own grammar. The words above are what has slipped from it into everyday standard German in the north.
  5. THE LESSON FOR A C2 READER IS THE DISTINCTION ITSELF: sounding different is not the same as being a standard. Use the test question — would this word stand in an official letter of that country? For Jänner and Trottoir: yes. For moin and schnacken: no, and that is not a criticism of them.
                   → stehen im Gesetz, im Amtsbrief
Regionalform       moin, schnacken, Deern
                   → stehen im Gespräch, nicht im Amtsbrief
Nobody writes "moin" in an official letter, but "Jänner" and
"Trottoir" stand in the laws of their own countries.
            (wohl von moi = schön, gut; ganz sicher ist es nicht)
schnacken   reden
klönen      gemütlich und lange reden
die Deern   das Mädchen
dröge       trocken, langweilig
drei Standards  Deutschland — Österreich — Schweiz
der Norden      Gegend darin, keine vierte Variante
Wörter      moin (ganztags!), schnacken, klönen,
            die Deern, dröge
dahinter    Plattdeutsch — eine eigene Sprache,
            kein schlechtes Deutsch
Testfrage   Stünde das Wort in einem Amtsbrief?
            Jänner ja — moin nein

Tipp: Say „moin“ once in Hamburg at four in the afternoon and watch the reaction: none at all. That is the whole lesson, and it costs one word.

Beispiele

  • Moin gilt den ganzen Tag.
  • Plattdeutsch ist eine eigene Sprache.
  • Anders klingen und eigener Standard sein ist nicht dasselbe.

Übungen

  1. Aufgabe 1 — Wann sagt man "moin"? / When do you say "moin"?

    (a) nur morgens
    (b) den ganzen Tag
    (c) nur abends
    Lösung

    (b) den ganzen Tag. Es kommt nicht von „Morgen“, sondern von „gut“.

  2. Aufgabe 2 — Was ist Plattdeutsch? / What is Low German?

    (a) schlechtes Deutsch
    (b) ein Dialekt des Hochdeutschen
    (c) eine eigene Sprache
    Lösung

    (c) eine eigene Sprache. Nicht schlechtes Deutsch und kein Dialekt des Hochdeutschen.

  3. Aufgabe 3 — Wie viele Standardvarianten hat das Deutsche?

    (a) zwei      (b) drei      (c) vier
    Lösung

    (b) drei: Deutschland, Österreich, die Schweiz.

  4. Aufgabe 4 — Richtig oder falsch? / True or false?

    Norddeutsch ist eine Standardvariante wie Österreichisch.
    Lösung

    falsch / false. Der Norden ist eine Gegend innerhalb des deutschen Standards.

  5. Aufgabe 5 — Wende die Testfrage an / Use the test question

    Stünde „schnacken" in einem Amtsbrief?
    "______, es ist eine Regionalform."
    Lösung

    Nein. (Nein, es ist eine Regionalform.)

Mini-Test

  1. Frage 1

    Was ist der Unterschied zwischen einer Standardvariante und
    einer Regionalform?
    Lösung

    Die Standardvariante gilt im ganzen Land, auch im Amtsbrief und im Gesetz. Die Regionalform gilt im Gespräch einer Gegend.

  2. Frage 2

    Welche Testfrage trennt die beiden?
    Lösung

    „Stünde das Wort in einem Amtsbrief dieses Landes?“ Bei Jänner und Trottoir ja, bei moin und schnacken nein.

  3. Frage 3

    Woher kommen Wörter wie moin und schnacken?
    Lösung

    Aus dem Plattdeutschen, einer eigenen Sprache. Sie sind von dort ins norddeutsche Hochdeutsch gerutscht.